Das Bildungszentrum für geflüchtete Kinder im Exil

Das Bildungszentrum für geflüchtete Kinder im Exil

Nach vier Monaten im Lockdown ist im kurdischen Nordirak das Bildungszentrum für geflüchtete Kinder im Exil wieder eröffnet.

Die vergangenen Monate haben sich die Schüler und Lehrer des HELIN-Bildungscenters in Kurdistan anders vorgestellt. Umso größer war die Freude, den ersten Geburtstag des Centers mal wieder „Live“ feiern zu können, natürlich in diesem Jahr in abgespeckter Version: An der frischen Luft mit wenigen Kindern, ohne Tanz aber dafür mit Hygienekonzept.

Dies ist gleichzeitig der Startschuss mit langsamen Schritten in Richtung Normalität: Unter genauer Beobachtung und mit geprüftem Hygienekonzept beginnt mit ersten kleinen Projektgruppen die gemeinsame Arbeit. Wir dürfen gespannt sein!

HAND FÜR HAND hatte im letzten Jahr eine Ruine in die Dorfschule umgewandelt.

Ziel ist es, den im Irak geflüchteten und zum Großteil traumatisierten Kindern im eigenen Land eine überschaubare kleine Nische von Sicherheit und Geborgenheit zu schaffen. Während ihrer Exilzeit wollen wir ihnen Schulunterricht und ihren Eltern Gelegenheiten zur Weiterbildung ermöglichen.

Das kurdische Wort “HELIN” bedeutet Nest, und so soll die Schule heißen.

Wieder Perspektiven eröffnen

Wenn die Kinder lesen, schreiben und rechnen lernen, wachsen ihre Chancen, später in ihrer Heimat, dem Irak, Arbeit zu finden und sich vor Ort eine eigene Existenz aufzubauen. Wir wollen die äußeren Möglichkeiten hierfür schaffen. Mit der Schule für geflüchtete Kinder im Exil wollen wir Lebensbedingungen verbessern und dabei helfen, dass entwurzelte Menschen in ihrem eigenen Land wieder eine Perspektive sehen können und nicht aus Verzweiflung an Migration denken müssen.

In 10 Monaten von der ersten Idee bis zum ersten Schultag

Dem ambitionierten Ziel folgend, wurden aus Worten Taten. 10 Monate nach der ersten Idee wurde die Eröffnung gefeiert.  In dem „vergessenen Dorf “ gibt es jetzt eine Schule samt selbstgebautem Fußballplatz. Die Kinder des Dorfes sind jetzt eingeschult (mehr). 

Die Sehnsucht der Kinder nach Unterricht ist überwältigend, und ihre Begeisterung für die neue Schule berührt jeden Besucher. Mit beeindruckender Disziplin und voller Aufmerksamkeit sitzen die Schüler an den Tischen und saugen Inhalte geradezu auf. Die Freude lässt sich aus den Gesichtern der Kinder und ihrer Eltern ablesen.

Schulbildung und selbstbestimmtes Leben

Im ersten Schritt wurden 70 Kinder eingeschult. Seit ihrer Flucht vor fünf Jahren leben sie traumatisiert und deprimiert vor sich hin und langweilen sich. Jetzt finden sie neuen Lebensinhalt und wieder Mut und erhalten eine Grundbildung. Durch begleitende Projekte werden auch die Frauen des Ortes darin unterstützt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Bereits heute haben vier Menschen durch die Schule einen Job. Mit ihrem Einkommen sichern sie die Existenz ihrer Familien und haben ihrerseits auch wieder eine Perspektive im Leben. Im Blick nach vorne hat die Schule die Chance, sich zu einem kulturellen Mittelpunkt im Dorf zu entwickeln, aus dem vieles Weitere entstehen kann.

In kurzer Zeit wurde vieles erreicht

In der Gründungszeit wurden die formalen Voraussetzungen in Deutschland und im Irak erfüllt, um das Projekt zu realisieren. Es wurde der richtige Ort identifiziert, eine Bauruine angemietet und mit einheimischen Handwerkern zum Schulgebäude ausgebaut. Ein erstklassiger Koordinator und zwei Lehrer sind eingestellt, wichtige Netzwerke in Regierung, Zivilgesellschaft und Dorfbevölkerung sind geknüpft.

Der Schulleiter Hadi mit den ersten Schülern

Parallel fand in Deutschland eine Spendenaktion statt, um die notwendige Grundausstattung der Schule zusammenzutragen. Mit der großzügigen Hilfe des Logistikunternehmens DHL wurde diese – ebenfalls kostenlos – in den Irak transportiert. Wir sind beeindruckt von den vielen Sachspenden. Gespendet wurden Schulmöbel, Tafeln, Regale, Sportgeräte, Fahrräder, Nähmaschinen und auch wichtiges Material wie Papier, Stifte, Farben oder Schul-Startersets, sowie ein im Dorf dringend benötigter Rollstuhl (mehr..)

Kinder und Dorfbevölkerung werden eingebunden

Mit den Kindern selbst und auch mit der erwachsenen Dorfbevölkerung, dem Dorfvorsteher und den Dorfältesten haben wir regelmäßig Treffen im Schulgebäude organisiert, um vorab deren Wünsche und Erwartungen zu erfahren. Diese wurden in das inhaltliche Konzept mit eingewoben.