Zum Internationalen Frauentag wurde der Salon von HAND FÜR HAND in Berlin zu einem Ort, an dem Kunst, Musik und kurdische Kultur zusammenkamen. Die Künstlerin Lava Bayat zeigte textile Arbeiten, in denen traditionelle Teppiche zu „tragbaren Geschichten“ werden.
Die Räume von HAND FÜR HAND in Berlin-Charlottenburg verwandelten sich in einen lebendigen Treffpunkt für Kunst, Musik und intensive Gespräche. Unter dem Titel „TRAGBARE GESCHICHTEN – Kunst, die mit dir ausgeht“ präsentierte die kurdische Künstlerin Lava Bayat ihre Arbeiten – begleitet von Musik, neugierigen Besucherinnen und Besuchern und einer Atmosphäre, die zugleich offen, warm und nachdenklich war.

Schon beim Betreten des Raums fiel der Blick auf kräftige Farben, geometrische Muster und schwere Teppichstoffe. An den Wänden und mitten im Raum hingen Taschen und textile Arbeiten, gefertigt aus traditionellen kurdischen Teppichen. So könnten sich ein Fisch im Aquarium fühlen. Dazwischen erklangen die Melodien der Musikerinnen, die mit Geige, Gitarre und klarer Stimme kurdische Volksmusik mit modernen Elementen verbanden. Kunst, Musik und Gespräche gingen dabei fast selbstverständlich ineinander über.
Im Mittelpunkt stand die Künstlerin Lava Bayat. Sie stammt aus der kurdischen Region Rojava in Nordsyrien. In ihren Arbeiten verbindet sie traditionelles Handwerk mit zeitgenössischem Design. Aus Teppichen und Stoffen mit kurdischen Mustern entstehen Taschen und textile Objekte. Was zunächst wie modernes Design wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als kulturelles Gedächtnis.
Die Muster erzählen von Herkunft, von Familiengeschichten und von einer jahrhundertealten Handwerkstradition. Die Stoffe, die Bayat verarbeitet, haben oft selbst eine lange Vergangenheit. In ihrer neuen Form werden sie zu Alltagsobjekten – und zugleich zu kleinen Kunstwerken, die diese Geschichte weitertragen.
Dass hinter diesen Geschichten auch eine bewegte politische Realität steht, wurde in den Gesprächen im Raum immer wieder deutlich. Die Region Rojava ist bekannt geworden durch ein ungewöhnliches demokratisches Projekt, das Selbstverwaltung und Gleichberechtigung von Frauen und Männern in den Mittelpunkt stellt. Gleichzeitig stehen die Kurden seit Jahren im Spannungsfeld internationaler Politik – vom Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat bis zu den komplexen Machtverschiebungen in Syrien, Irak und Iran.
Auch aktuell zeigt sich, wie stark die Region weiterhin im Fokus geopolitischer Interessen steht. Gleichzeitig erinnern sich viele Kurden daran, wie oft sie in den vergangenen Jahren wichtige Partner waren – und sich später dennoch politisch allein gelassen fühlten.
Gerade deshalb ist das Engagement von HAND FÜR HAND in der Region mehr als nur symbolisch. Der Verein unterstützt seit Jahren konkrete Projekte in der kurdischen Autonomieregion im Irak: In einem abgelegenen Dorf wurde eine Schule für binnengeflüchtete Kinder aufgebaut, dazu ein Bildungszentrum, das jungen Menschen Perspektiven geben soll, es entstanden Gewächshäuser für bedürftige Familien, und diverse Starthilfe-Programme, damit sie ihre Lebensgrundlage sichern können. Aktuell wird dort ein gemeinschaftliches Backhaus errichtet, und derzeitig entsteht ein lokaler Radiosender, der künftig Minderheiten eine eigene Stimme geben wird.
In Berlin fördert HAND FÜR HAND den Dialog zwischen Minderheiten aus der Region. Mehrere Salons widmeten sich bereits den politischen Entwicklungen in Rojava. Die Ausstellung von Lava Bayat eröffnete nun einen anderen Zugang – den Blick auf die Region durch Kunst und Kultur.
Im Gespräch erzählte die Künstlerin von Erinnerungen an ihre Heimat, von Stoffen, die Geschichten tragen, und von der Kraft traditioneller Muster, die in neuen Formen weiterleben. Ihre Taschen sind für sie nicht nur Produkte, sondern ein Weg, kulturelle Identität sichtbar zu machen.
Am Ende des Nachmittags blieb der Raum noch lange voller Gespräche. Besucher betrachteten die Arbeiten ein zweites Mal, tauschten Eindrücke aus – und viele entschieden sich, eine der Taschen mitzunehmen.
Vielleicht war dieser Salon damit mehr als nur eine Ausstellung. Vielleicht war er auch eine kleine Starthilfe für eine junge kurdische Künstlerin, die mit ihrer Kunst neue Wege geht – ganz im Sinne der Idee von HAND FÜR HAND: Menschen zu unterstützen und zugleich Räume zu schaffen, in denen Begegnung, Verständnis und Geschichten möglich werden.