HELIN VOICES – die Journalismus-Ausbildung für Minderheiten

HELIN VOICES – die Journalismus-Ausbildung für Minderheiten

Mit HELIN VOICES haben wir unsere Arbeit im Irak um eine dritte Säule erweitert: VOICES – Minderheiten eine hörbare Stimme geben. Knapp 50 Teilnehmende aus jesidischen und anderen Communities lernten in Mosul und Shingal, zu recherchieren, zu erzählen und Podcasts zu produzieren. Entstanden sind 40 Folgen mit Themen, die sonst kaum Raum bekommen – und ein starkes Netzwerk, das weiterwächst.

Neben BILDUNG und STARTHILFE ist in diesem Jahr etwas Neues gewachsen: HELIN VOICES – Minderheiten eine Stimme geben. Denn im Irak werden Jesiden und andere Minderheiten oft übergangen oder überhört. Ihre Geschichten sind da, ihre Erfahrungen sind da – aber sie finden zu selten einen Raum, in dem sie sicher und sichtbar werden. Genau das wollten wir ändern.

So entstand HELIN VOICES: ein Projekt, das mit einfachen Mitteln etwas Entscheidendes möglich macht – Menschen befähigen, ihre Geschichten selbst zu erzählen. Das Konzept überzeugte auch das BMZ, das die erste Phase finanzierte. Gemeinsam mit dem House of Coexistence und einem Partner eines lokalen Radiosenders haben wir knapp 50 Teilnehmende aus jesidischen und anderen Minderheitengemeinschaften in den Grundlagen des Radiojournalismus ausgebildet.

Der Start im Februar war mehr als ein Auftakt – er war ein Zeichen. Beim gemeinsamen Kick-off kamen Menschen zusammen, deren Orte in der Vergangenheit für Angst und Gewalt standen: Mosul, einst Hochburg des sogenannten Islamischen Staates, und Shingal (Sinjar), Schauplatz des Genozids an den Jesiden. Schon in diesem ersten Workshop passierte etwas, das uns bis heute bewegt: Zum ersten Mal saßen Menschen mit Erfahrungen aus beiden Perspektiven an einem Tisch, hörten einander zu und suchten nach dem, was verbindet – statt nach dem, was trennt. Katharina war bei den Workshops in Mosul und Shingal persönlich dabei. Auch die taz berichtete im Februar 2025 über das Projekt („Radioprojekt im Nordirak – taz.de“).

Über sechs intensive Monate lernten die Teilnehmenden zu recherchieren, Interviews zu führen, Beiträge zu schreiben, zu schneiden und zu produzieren – und vor allem: ihre eigene Perspektive ernst zu nehmen. In gemischten Teams, vor Ort und online, entstanden Schritt für Schritt journalistische Arbeiten, begleitet von Feedbackrunden, gemeinsamem Feinschliff an Dramaturgie und Sprache – und einem Vertrauen, das von Treffen zu Treffen spürbar wuchs.

Das Ergebnis kann sich hören lassen: 40 Podcast-Episoden zu Themen, die sonst kaum Raum bekommen – etwa Frauen und Arbeitsmarkt, demokratische Teilhabe, kulturelles Erbe und Erinnerung, Umwelt und Klimawandel sowie Identität und Alltag in Mosul und Shingal. Diese Vielfalt zeigt nicht nur, wie viel Potenzial in den jungen Journalist:innen steckt. Sie zeigt auch, wie dringend unabhängige Stimmen in einer Region gebraucht werden, in der lange über Minderheiten gesprochen wurde – statt ihnen zuzuhören. Und sie zeigt, was entsteht, wenn Menschen nicht nur ausgebildet werden, sondern sich als Teil eines Netzwerks erleben, das trägt.

Und es geht weiter: Aus HELIN VOICES soll eine unabhängige Radioplattform entstehen – von Minderheiten für Minderheiten. Mit Sprache, Kultur, Alltag, Erinnerungen und Perspektiven, die endlich Gehör finden.

Der erste Schritt ist getan.