Wo früher eine Ruine war, duftet heute Brot
Ein Back- und Teehaus in Sina, das Frauen stärkt und Gemeinschaft wachsen lässt
Als bei der Eröffnung die ersten Brote aus dem Ofen kamen, füllte sich das neue Back- und Teehaus in Sina schnell mit Leben. Kinder standen neugierig in der Tür. Frauen lachten, probierten und backten gemeinsam. Sogar Pizza kam frisch aus dem Ofen. Wo früher eine Ruine stand, ist heute ein Ort entstanden, der Wärme, Begegnung und Gemeinschaft spürbar macht.
Seit sechs Jahren arbeiten wir mit jesidischen Geflüchteten im Dorf Sina im Nordirak. Gemeinsam mit den Menschen vor Ort haben wir eine Schule aufgebaut, Weiterbildungen ermöglicht, Gewächshäuser errichtet, ein nachhaltiges Müllprojekt gestartet und viele kleine Initiativen gefördert. Mit dem Back- und Teehaus ist nun ein weiterer wichtiger Ort dazugekommen. Er entstand aus einem konkreten Wunsch der Frauen im Dorf und wurde durch Spenden möglich.
Ein Wunsch aus dem Dorf
Die Idee für das Back- und Teehaus kam direkt von den Frauen in Sina. In einer Umfrage berichteten sie, dass sie fast täglich Brot backen, meist allein zu Hause. Viele wünschten sich deshalb einen gemeinsamen Ort, an dem sie zusammen backen, Tee trinken und Zeit miteinander verbringen können.
Doch es geht um mehr als Brot. Das Backhaus gibt Frauen einen geschützten Raum. Hier können sie sich begegnen, miteinander sprechen, Erfahrungen teilen und sich gegenseitig stärken. Gerade in einem Alltag, der oft von Enge, Verantwortung und vielen Belastungen geprägt ist, bedeutet ein solcher Ort sehr viel.
Backen und Tee gehören fest zum Alltag und zur jesidischen Kultur. Genau daran knüpft das Projekt an. Zugleich entsteht etwas Neues: ein Ort, den Frauen gemeinsam nutzen, gestalten und weiterentwickeln können. Aus einem leerstehenden Gebäude wurde Schritt für Schritt ein Raum für Begegnung, gemeinsames Arbeiten und neue Ideen.
Spenden haben dieses Projekt möglich gemacht. So konnten wir das Gebäude renovieren, die Backstube mit Ofen ausbauen und Wasser sowie Strom anschließen. Auch Miete und Betriebskosten im ersten Jahr werden dadurch getragen. In der Startphase begleiten wir das Projekt weiter. Langfristig sollen die Frauen das Back- und Teehaus selbst organisieren und tragen.
Ein Ort für das ganze Dorf
Das Back- und Teehaus stärkt nicht nur einzelne Frauen, sondern auch das Miteinander im ganzen Dorf. Familien werden entlastet, und Begegnung wird leichter. Der tägliche Austausch bringt Menschen zusammen. Außerdem kann unsere Schule das Haus künftig für Treffen, Aktivitäten und gemeinsames Lernen nutzen.
Für uns ist dieses Back- und Teehaus deshalb weit mehr als ein Bauprojekt. Frauen füllen es mit Leben. Das Dorf nutzt es. Und es zeigt, wie aus einem einfachen Alltagsbedürfnis etwas Größeres entstehen kann: ein Ort der Gemeinschaft, der Zuversicht und der neuen Perspektiven.